Presseberichte 2009
Juli 2009: Besuch des Stralsunder Oberbürgermeisters Dr. Alexander Badrow im Boreus Rechenzentrum
Wie sich Wirtschaftskrise als Chance begreifen lässt, dafür versuchen zwei Unternehmen an der Schwedenschanze ein Beispiel zu geben.
Stralsund (OZ) - Wer immer demnächst in Deutschland beim Versandhändler Bon-Prix übers Internet etwas bestellt, landet auf einem Server An der Schwedenschanze 2 im Keller. „Erst in der vergangenen Woche haben wir mit der Konzern-Mutter, der Otto-Group, den Vertrag unterschrieben.“ Holger Lebrecht, geschäftsführender Gesellschafter der Boreus Rechenzentrum GmbH, verhehlt seinen Stolz darüber nicht, als er Oberbürgermeister Alexander Badrow am Dienstag davon berichtete. Stralsunds Stadtoberhaupt schaute mit Wirtschaftsfachleuten aus dem Rathaus zu Gesprächen vorbei.
Zu den Kunden des hochmodernen Rechenzentrums gehören u. a. Kreuzfahrtanbieter Aida oder die Medienkonzerne Bertelsmann und Springer. Über die Server an der Schwedenschanze laufen Online-Auftritte von Computerbild ebenso wie die von TV-Digital oder europäischer Medien, etwa der Züricher Handelszeitung oder die polnische Dziennik. Am Standort kümmern sich 100 Mitarbeiter und zehn Azubis darum, dass die Rechner rund um die Uhr laufen. Im Firmenverbund, zu dem Standorte in Hamburg und Berlin zählen, sind es insgesamt 125. Über Server in Europa, Asien und Nordamerika ist die Firma weltweit vernetzt.
Von Wirtschaftskrise also keine Spur? „In gewisser Weise schon“, sagt Holger Lebrecht. Er sieht die Krise jedoch als Chance zum Wachstum, weil große Unternehmen wie die Otto-Group jetzt Rechenleistung auslagern – in diesem Fall nach Stralsund. Warum der Standort hier attraktiv ist, daraus macht der Geschäftsführer kein Hehl. „Wir können Rechenleistung preiswerter anbieten, weil wir technisch hochspezialisiert sind.“ Dazu kommt ein versierter Mitarbeiterstamm, der zu moderaten Löhnen arbeitet. Lebrecht legt Wert auf die Feststellung, dass Boreus für Verdienstverhältnisse in MV ordentliche Gehälter zahle. Er klingt daher überzeugt: „Wir rechnen auch 2009 wieder mit 50 Prozent Zuwachs. “
Ein Beispiel dafür, wie diese Marktmechanismen praktisch funktionieren, sitzt im gleichen Haus. Davon überzeugte sich Alexander Badrow ein Stockwerk höher. Dort arbeitet ein Ableger der Compass-Group. Das deutschlandweit und international tätige Unternehmen versorgt Großkunden in Automobilfirmen, Versicherungen, Krankenhäusern und Schulen mit Essen. Es ist in der Lage, Großveranstaltungen zu organisieren, zu betreuen und zu versorgen. Umsatz: 614 Millionen im Geschäftsjahr 2007/08.
Allerdings wird das nicht von Stralsund aus geleistet, wie Branko Kosir, Leiter des Personalservice Centers, dem Oberbürgermeister erläuterte. In der Hasestadt sitzt seit 2006 die Lohn- und Gehaltsabrechnung für die 19 000 Compass-Mitarbeiter, die ihren Hauptsitz in Eschborn bei Frankfurt hat. „39 Mitarbeiter sind aktuell dafür zuständig“, erfährt der OB. Kosir selbst ist vor zwei Jahren an den Sund gekommen. „Hauptgründe für das Unternehmen waren die hier vorhandene Technik – denn wir müssen immer online sein – sowie geringere Kosten als in Frankfurt.“ Die Mitarbeiter wurden alle vor Ort eingestellt, weitere mit Spezialisierung zum Personalsachbearbeiter und SAP-Software-Kenntnissen werden gesucht.
Badrow, der mit der Wahl zum Oberbürgermeister Wirtschaftsförderung zur Chefsache erklärt hat, verfolgt mit seinen Gesprächen verschiedene Ziele: „Zum einen geht es darum, die Bedingungen für die am Standort vorhandenen Unternehmen optimal auszugestalten. Zum anderen will ich schauen, wie sich das vorhandene Potential ausbauen lässt und wo die Stadt dabei helfen kann.

